Die Angelfischerei
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Europäischer Wels,Waller

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Beitrag  Raubfischangler321 Mi Okt 07, 2009 2:33 pm

Europäischer Wels

Systematik
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Ostariophysi
Ordnung: Welsartige (Siluriformes)
Familie: Echte Welse (Siluridae)
Gattung: Silurus
Art: Europäischer Wels
Wissenschaftlicher Name
Silurus glanis

Der Europäische Wels oder Flusswels (Silurus glanis) ist der größte reine Süßwasserfisch Europas und neben dem Aristoteleswels (Silurus aristotelis) die einzige europäische Art aus der Familie der Echten Welse (Siluridae). Regional wird er auch als Waller oder Schaidfisch sowie mit zahlreichen Abwandlungen dieser Namen bezeichnet. Welse sind vorwiegend nacht- und dämmerungsaktive Raubfische, die sich vorwiegend von lebenden und toten Fischen, aber auch von Wirbellosen und gelegentlich von kleinen Wasservögeln und Säugetieren ernähren. Ihre Aktivität ist im Jahresverlauf stark von der Temperatur und der Verfügbarkeit von Beutetieren abhängig und erreicht im Frühjahr nach der Winterruhe sowie im Spätherbst nach dem Ablaichen ein Maximum.

Das Verbreitungsgebiet des Welses erstreckt sich von Mittel- und Osteuropa bis Zentralasien. Dabei werden bevorzugt große Flüsse und Seen mit schlammigem Grund besiedelt, Welse kommen aber auch häufig in Binnenmeeren mit geringem Salzgehalt, wie dem Kaspischen Meer, sowie in Brackwasserbereichen der Ostsee und des Schwarzen Meers vor. Die Art wird seit der Antike befischt und ist heute vor allem in Osteuropa von wirtschaftlicher Bedeutung, wo sie zunehmend auch in Aquakultur gezogen wird. In Mitteleuropa sind Welse dagegen vorwiegend als Sportfische bei Anglern beliebt und wurden deshalb auch in verschiedenen Gebieten, in denen sie ursprünglich nicht vorkamen, angesiedelt. Die Bestände sind heute meist stabil, teilweise aber von Besatz durch den Menschen abhängig.

Etymologie

Der Wels ist von Carl von Linné 1758 als Silurus glanis erstbeschrieben worden. Er ist die Typusart der Gattung Silurus, die wiederum namensgebend für die Familie der Echten Welse (Siluridae) und die Ordnung der Welsartigen (Siluriformes) ist. Sowohl „Silurus“ als auch „glanis“ sind dabei lateinische Bezeichnungen für den Wels. Die deutschen Namen „Wels“ und „Waller“ und ihre regional gebräuchlichen Abwandlungen gehen wahrscheinlich auf die gleiche sprachliche Wurzel wie das Wort „Wal“ zurück, das sich vom germanischen „hwalis“ über das altpreußische „kalis“ ableitet. Der Wels könnte dabei als kleiner Wal des Süßwassers gesehen worden sein. Die Bezeichnung als „Schaiden“ oder „Schaidfisch“, in Ostösterreich auch als „Scharn“ oder „Scharl“, ist seit dem althochdeutschen als „sceida“ nachgewiesen, ihr Ursprung ist allerdings unklar. [1]

Merkmale

Welse sind stämmige Fische mit langgestrecktem Körper, großem, breitem Kopf und glatter, schleimiger und vollständig schuppenloser Haut. Der Rumpf ist im vorderen Bereich kräftig gebaut und im Querschnitt rund, hinter dem After seitlich abgeflacht und schlanker. Die Zahl der Rippen liegt bei 72 bis 74[2]. Eine vollständig entwickelte Seitenlinie verläuft entlang der Flanken und weist 70 bis 75 Kanälchen auf. Der Kopf macht mehr als 20% der Gesamtlänge aus und ist breit und abgeflacht mit kleinen, Augen, die seitlich hinter einem Paar langer, knorpelverstärkter und hoch beweglicher Barteln am Oberkiefer sitzen. Zwei Paare kürzerer, unbeweglicher Barteln sitzen am Kinn. Die vorderen Nasenöffnungen treten deutlich hervor und liegen auf Höhe der Oberkieferbarteln zwischen diesen. Die hinteren Nasenöffnungen liegen dicht dahinter und sind gut entwickelt, was auf einen guten Geruchssinn hinweist. Das Maul ist groß, breit und endständig mit, vor allem bei älteren Tieren, vorragendem Unterkiefer und fleischigen Lippen. Die Zähne sind kleine, flache und nach hinten gerichtete Bürstenzähne. Sie sitzen im Unterkiefer in vier oder fünf Reihen, die in der Mitte durch die Kiefernaht geteilt sind. Zähne sitzen auch am Gaumen- und Pflugscharbein sowie an den Kiemenbögen, wo sie besonders klein sind. Die Kiemenöffnung ist groß und tief geschlitzt, ihr häutiger Rand bedeckt die Basis der Brustflossen. Die Kiemen selbst weisen 15 bis 16 Branchiostegalstrahlen auf, die Kiemenreuse 12 Dornen.

Die Rückenflosse ist sehr klein und sitzt am Ende des ersten Körperdrittels. Sie weist einen Hartstrahl und drei bis vier Weichstrahlen auf. Eine Fettflosse ist nicht vorhanden. Die Brustflossen sind groß und kräftig und reichen bis zum Ansatz der Bauchflossen. Sie weisen einen Hartstrahl auf, dessen Vorderseite glatt und dessen hinterer Rand gezähnt ist, sowie 14 bis 17 Weichstrahlen. Die deutlich kleineren Bauchflossen weisen 11 bis 13 Weichstrahlen auf. Die Afterflosse verläuft langgestreckt am stark verlängerten Schwanzstiel und weist 84 bis 92 kräftige Weichstrahlen auf. Sie reicht dicht an die relativ kleine, gerundete und am Ende fast gerade abgeschnitten wirkende, 17- bis 19-strahlige Schwanzflosse heran, die beiden Flossen sind aber nicht verbunden.

Die Färbung ist relativ variabel und meist dem Lebensraum angepasst, so dass ruhende Welse gut getarnt sind. Die Körperoberseite ist meist dunkel mit grauer Grundfärbung, die von schwärzlich oder blauschwarz über dunkelbraun bis dunkelolivgrün variieren kann. Die Seiten sind heller und weisen gelegentlich einen violetten Schimmer auf. Über der Grundfärbung liegt meist eine wolkige bis tüpfelartige Marmorierung. Der Kopf ist dunkler gefärbt und einfarbig glänzend, der Lippensaum kann heller sein. Der Bauch ist hell bis weißlich, manchmal leicht rötlich und kann einfarbig oder scheckig sein. Die paarigen Flossen sind meist dunkel gelbbraun, braunrot bis bräunlich, die unpaaren Flossen bläulich schimmernd und violett angelaufen. Neben den normal gefärbten Tieren kommen auch einfarbig schwarzblaue oder albinotische Individuen vor.

Geschlechtsunterschiede

Welse weisen keinen auffälligen Geschlechtsdimorphismus auf. Die Männchen sind bei gleichem Alter aber meist etwas länger, alte Tiere weisen einen kantigeren Oberkiefer auf. Die Weibchen sind schwerer und haben besonders vor dem Ablaichen einen deutlich geschwollenen Unterleib. Beim Männchen ist die Afteröffnung schmaler mit zugespitzter, leicht gerunzelter Geschlechtswarze. Die Geschlechtswarze des Weibchens ist ovaler, geschwollen und endet gerundet.

Größe

Welse erreichen, abhängig von ihrem Lebensraum, meist Körperlängen von einem bis eineinhalb Metern und dabei ein Gewicht von etwa 10 bis 50 Kilogramm. Da die Tiere zeitlebens weiterwachsen, können sie allerdings auch deutlich größer und schwerer werden. Die Angaben über die Maximalmaße unterscheiden sich dabei bei verschiedenen Autoren beträchlich. Häufig wird heute eine Länge von bis zu drei Metern und ein Gewicht von dann 150 Kilogramm angegeben. Aus dem achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert liegen allerdings Berichte über deutlich größere Tiere vor. So wurde von bis zu fünf Meter langen und über 300 kg schweren Welsen im Dnepr in der Ukraine berichtet und ein ohne Eingeweide 375 kg schweres Tier soll 1731 in der Oder gefangen worden sein. Diese Maße werden von einigen Autoren bis heute übernommen und häufig mit der Anmerkung versehen, dass Tiere dieser Größe heute nicht mehr vorkommen. Die verlässlich dokumentierten größten Fänge im zwanzigsten Jahrhundert waren ein 2,78 Meter langes Tier aus dem Po und ein 148 kg schweres Exemplar, das in Bulgarien gefangen wurde.Der Wels ist damit der größte ständig im Süßwasser lebende Fisch Europas. Er wird nur von den Stören (Acipenser) übertroffen, die allerdings anadrome Wanderfische sind, die nur zum Laichen in Flüsse eindringen.

Das Alter kann an Hand der Zuwachsringe der Wirbel oder Brustflossenstrahlen bestimmt werden. Das höchste dokumentierte Alter liegt bei 60 Jahren in Gefangenschaft und bei 80 Jahren für ein wildlebendes Tier. Schätzungen für das mögliche Höchstalter belaufen sich auf etwa 100 Jahre.

Innere Anatomie und Molekularbiologie

Auf den kräftigen, muskulösen Schlund folgt ein stark dehnbarer Magen, der in drei aufeinanderfolgende Abschnitte gegliedert ist. Der Darm weist drei Windungen auf, die Gesamtlänge des Verdauungstrakts übersteigt die Körperlänge. Die Leber ist relativ groß. Die Schwimmblase erstreckt sich über etwa 80 % der Körperhöhle und ist damit auffällig groß. Sie weist eine längs verlaufende Scheidewand auf, ist am hinteren Ende mit der Wirbelsäule und über den aus den Rippenknochen hervorgegangenen Weberschen Apparat mit den Hörorganen verbunden. Die Geschlechtsdrüsen sind relativ klein und liegen im hinteren Bereich der Bauchhöhle.

Der Chromosomensatz besteht aus 30 Paaren (2n = 60).

Vorkommen und Bestände

Verbreitungsgebiet des Welses. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet ist rot eingezeichnet mit Küstenvorkommen in blau, durch den Menschen etablierte Vorkommen sind orange

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Welses erstreckt sich in von der Elbe und dem Doubs in Ostfrankreich über Südschweden, Ost- und Südosteuropa mit Ausnahme der Mittelmeerküste und die Türkei bis zum Aralbecken und Afghanistan. Im Flusssystem des Rhein kommt er natürlich bis etwa zur Mündung des Ill bei Strassburg vor. Subfossile Funde weisen allerdings darauf hin, dass die Art ehemals auch weiter nördlich im Rhein und seinen Nebenflüssen bis zur Mündung in die Nordsee vorkam. Ein mögliches Überbleibsel dieser früheren Verbreitung stellt die Population im Haarlemmermeer in den Niederlanden dar. Neben stehenden und fließenden Süßgewässern des Inlands findet er sich auch im Kaspischen Meer, sowie in Brackwasserbereichen der Ostsee und des Schwarzen Meers.

Vom Menschen wurde die Art als Aquakultur- und Sportfisch auch außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets ausgesetzt, so in Spanien, Italien und Kasachstan. In den Beneluxstaaten und in Frankreich wurde sie im erfolgreich wieder angesiedelt, auch in Gebieten in denen sie archäologisch nicht nachweisbar ist, so in Frankreich ab 1857 im Gebiet der Rhone. Im Süden Großbritanniens wurden Welse ab 1880 in Seen ausgesetzt, die Besiedlung größerer Flüssen gelang allerdings kaum, wahrscheinlich auf Grund klimatischer Bedingungen. In Südfinnland und möglicherweise auch in Dänemark wurden die ausgewilderten Bestände wieder ausgerottet. In einigen Regionen, in denen der Wels ursprünglich nicht vorkam, wird er heute als Schädling angesehen, da er die einheimischen Fischbestände bedroht.

Die Art gilt allgemein als nicht bedroht, die Bestände sind aber teilweise vom Besatz durch den Menschen abhängig, da die Laichgründe häufig durch den Ausbau von Flüssen bedroht sind.Im Nordwesten des Verbreitungsgebiets, insbesondere in Südschweden, ist die Zahl der Welse auf Grund ungünstiger klimatischer Bedingungen und der geringen Zahl geeigneter Habitate im Rückgang. In Griechenland wurden einzelne Populationen durch ausgesetzte Aristoteleswelse (Silurus aristotelis) verdrängt. In der Berner Konvention wird der Wels in Anhang III als geschützte Tierart geführt.

Systematik und Evolution

Innerhalb der Gattung Silurus kann der Europäische Wels der in europäisch-westasiatischen glanis-Gruppe zugeordnet werden, die der ostasiatischen cochinchinensis-Gruppe gegenübergestellt wird. Das Schwestertaxon könnte Silurus triostegus sein, mit dem er die glatte Vorderseite des Brustflossenhartstrahls gemeinsam hat.Neuere molekularbiologische Untersuchungen zu den Verwandtschaftsverhältnissen fehlen allerdings. Innerhalb der Art Silurus glanis werden keine Unterarten unterschieden

Der Ursprung der Gattung Silurus liegt wahrscheinlich in Asien, von wo aus sie über das Kaspische und Schwarze Meer, Dnepr, Wolga und Donau nach Westen vordrang. Beim Europäische Wels weisen die Populationen verschiedener Regionen nur relativ geringe genetische Unterschiede auf, was darauf hinweist, dass die Art sich nach den Eiszeiten aus einem einzelnen Refugium, wahrscheinlich im Raum der Wolga, ausgebreitet hat.[14] Die ältesten Fossilfund, die dem Europäischen Wels zugeordnet werden, sind etwa 8000 Jahre alt.[3]

Habitat

Welse sind wärmeliebende Fische, die bevorzugt in großen, stehenden oder langsam fließenden Gewässern leben. Brackwasserbereiche in Flussmündungen oder Küstennähe werden bis zu einem Salzgehalt von maximal 15 ‰ besiedelt. Sie bevorzugen dabei Flachwasserbereiche bis maximal etwa 30 Meter Tiefe. Gegenüber Verschmutzung und geringen Sauerstoffkonzentartionen sind die Tiere relativ unempfindlich. Auf Grund eines hohen Hämoglobingehalts des Bluts von 30 bis 35 % sind Welse in der Lage auch bei geringen Sauerstoffkonzentrationen von bis zu etwa 3 mg/l zu überleben. Ihr physiologisches Temperaturoptimum liegt bei 25 bis 27°C, es werden aber auch deutlich niedrigere Wassertemperaturen gut vertragen, wobei allerdings das Wachstum eingeschränkt sein kann. Ausgewachsene Tiere bevorzugen ruhige, mit Wasserpflanzen bewachsene Bereiche und sind standorttreue und wahrscheinlich territoriale Einzelgänger. Jungfische im ersten Jahr halten sich dagegen auch in den mittleren, strömenden Bereich von Flüssen auf und können in Gruppen angetroffen werden.

Lebensweise

Aktivität

Welse sind lichtscheu und überwiegend nachtaktiv, wobei die Aktivitätsmuster sich allerdings abhängig von der Jahreszeit deutlich unterscheiden können. Besonders bei fallendem Luftdruck, der mit Hilfe der Schwimmblase wahrgenommen wird, sind sie auch tagsüber aktiv, sonst ruhen die Tiere bis zum Einbruch der Dunkelheit meist am Grund zwischen Wasserpflanzen, unter überhängenden Ufern oder Baumwurzeln. Ab Wassertemperaturen von sieben bis vier Grad Celsius stellen die Tiere die Nahrungsaufnahme ein. Sie überwintern in Flüssen in Uferspalten oder Gruben in Ufernähe, in Seen im unteren Drittel der Wassersäule oder auf schlammigem Grund liegend.

Ernährung und Beutefang

Welse sind opportunistische Raubfische, die als Beute nahezu alles annehmen, was von der Größe her bewältigt werden kann. Den größten Anteil machen dabei meist diejenigen Fische aus, die in dem entsprechenden Gewässer dominieren wie zum Beispiel Schleien, Rotaugen oder Karpfen. Neben lebenden und toten Fischen werden auch Amphibien, Krustentiere, Insekten, Würmer und andere Wirbellose, junge Wasservögel, sowie gelegentlich Pflanzen und Säugetiere, vor allem Nager, gefressen. Im Vergleich zu anderen großen Süßwasserraubfischen wie Hecht oder Zander fressen auch große Welse Beutetiere sehr unterschiedlicher Größe, was zu einer effektiveren Nutzung des Nahrungsangebots führt. Aus diesem Grund haben Welse auch einen geringeren Einfluss auf den Bestand wirtschaftlich bedeutender Fischarten.

Die Beute wird vorwiegend nachts gefangen, wobei die Augen wahrscheinlich keine Rolle spielen. Welse verfügen über einen hervorragenden Geruchs- und Geschmackssinn, der Rezeptoren für süß, sauer, bitter und salzig umfasst, die sich im Maul, an den Lippen, auf den Barteln, aber auch an den Flossen, sowie in der Haut des Kopfes und Vorderkörper befinden. Das Gehör der Tiere ist extrem empfindlich und besonders auf Geräusche von über der Wasseroberfläche spezialisiert, was durch eine Verbindung der Schwimmblase mit den Hörorganen über den aus den Rippenknochen hervorgegangenen Weberschen Apparat erreicht wird. Daneben besitzen Welse Elektrorezeptoren und einen ausgeprägten Tastsinn, der auf den Barteln, dem Unterkiefer und dem Seitenlinienorgan beruht. Beutefische werden meist verfolgt und von hinten erfasst, wobei chemische und hydrodynamische Signale im Nachstrom fliehender Fische zur Orientierung genutzt werden.

Die Nahrungsaufnahme ist stark von der Wassertemperatur abhängig. Während von November bis März fast keine Nahrung aufgenommen wird, beginnt mit der höheren Verfügbarkeit von Beutetieren im Frühjahr eine Phase intensiverer Nahrungsaufnahme. Im Juni und Juli wandern viele Fische teilweise in tiefere Gewässer, so dass die Welse weniger Beute machen. Nach der Laichzeit im August folgt ein weiterer Höhepunkt der Nahrungsaufnahme.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Laichzeit der Welse ist abhängig von der Wassertemperatur und beginnt meist, wenn diese auf 17 bis 18 Grad Celsius angestiegen ist. In Ungarn beginnt sie bereits Anfang April, in Mitteleuropa fällt sie meist auf die Monate Mai bis Juli. Das Männchen bereitet einen Laichplatz vor, indem es eine ufernahe Grube, meist in 40 bis 60 cm Wassertiefe und häufig von Weidenwurzeln geschützt, mit Schwanzschlägen ausspült und weiches Pflanzenmaterial wird mit dem Maul an den Untergrund presst. Hier wartet es auf ein geeignetes Weibchen. Dem Laichakt geht ein stürmisches Vorspiel voraus, bei dem das Männchen seine Partnerin nahe der Wasseroberfläche verfolgt. Die Paarung findet meist in den Abendstunden bei Wassertemperaturen von 22 bis 23°C statt. Das Männchen umschwimmt dabei das Weibchen, treibt es um das Nest und stößt mit dem Maul gegen seinen Bauch. Über dem Nest schwimmt das Männchen an die Seite des Weibchens und windet sich um dessen Bauchpartie. Nach wenigen Sekunden befreit sich das Weibchen, sinkt zum Grund und lässt die Eier ab, gefolgt von der Spermienabgabe des Männchens. Der gesamte Prozess wiederholt sich im Laufe von eineinhalb bis zwei Stunden mehrmals. Menge und Größe der Eier schwanken mit dem Ernährungszustand und der Größe des Weibchens, pro Kilogramm Körpergewicht werden etwa 20000 bis 25000 Eier produziert, die einen Durchmesser von 1,4 bis 2 Millimeter aufweisen. Nach der Befruchtung schwellen die Eier an und können bis zum Schlupfzeitpunkt einen Durchmesser von 4,5 Millimeter erreichen. Sie sind sehr klebrig und bilden große Klumpen, in die Wasser nur schlecht eindringt, was zu einer schlechten Sauerstoffversorgung und zu Verpilzung führen kann. Das Männchen bleibt möglicherweise deswegen bis zum Schlüpfen der Brut beim Gelege, bewacht dieses und fächelt ihm alle drei bis fünf Minuten mit der Schwanzflosse frisches Wasser zu.

Die kaulquappenähnlichen Larven schlüpfen, abhängig von der Wassertemperatur, nach zwei bis drei Tagen. Unmittelbar nach dem Schlüpfen ist der Nachwuchs weitestgehend hilflos und sinkt auf den Gewässergrund, nach weiteren zwei bis drei Tagen beginnen die Tiere sich aktiv zu bewegen. Sie sind sehr lichtempfindlich, sterben im direkten Sonnelicht ab und suchen nach Möglichkeit dunkle Gewässerbereiche auf. Der Dottersack ist nach etwa zehn Lebenstagen aufgebraucht, ab diesem Zeitpunkt beginnen die Larven ihre Nahrung am Grund aber auch im Freiwasser zu suchen. Zu Beginn ernähren sie sich vorwiegend von Zooplankton, später erweitert sich das Nahrungsspektrum um Krebstiere, Insektenlarven, kleine Schnecken und Tubifex. Nach etwa zwanzig Tagen beginnen die larvalen Merkmale zu verschwinden, zu diesem Zeitpunkt haben die jungen Welse eine Länge zwischen 2,2 und 2,5 Zentimetern erreicht. Ab einer Körperlänge von 2,5 bis drei Zentimeter beginnen sie anderer Fischbrut nachzustellen. Bei Nahrungsmangel kommt es unter dem Welsnachwuchs zu Kannibalismus, der sich bei anhaltendem Mangel verstärkt. Auch pflanzlicher Detritus wird abhängig von der Nahrungsverfügbarkeit in gewissen Mengen aufgenommen. Grundsätzlich machen aber im ersten Lebensjahr Wirbellose den weitaus größten Teil der aufgenommenen Nahrung aus.

Welse wachsen schnell heran und erreichen im ersten Jahr durchschnittlich Längen von 20 bis 30 Zentimetern, maximal fast einen halben Meter und bis zu 500 Gramm Gewicht. Mit zwei Jahren werden im Schnitt 40 cm erreicht und ein Meter mit etwa sechs bis sieben Jahren. Der größte Teil des Wachstums findet temperatur- und nahrungsabhängig im Frühjahr statt. Daher variieren die Wachstumsraten in verschiedenen Regionen des Verbreitungsgebiets abhängig vom Klima deutlich. Die Geschlechtsreife wird bei einem Gewicht von ein bis zwei Kilogramm erreicht, das meist mit etwa drei bis vier Jahren erreicht wird, in kalten Klimaten aber auch erst mit etwa neun Jahren. Mit dem Erreichen der Geschlechtreife nimmt die Rate des Längenwachstums ab, dafür steigt die relative Gewichtszunahme. Insgesamt sind die Wuchsraten bei Männchen bezogen auf Länge und Gewicht höher als bei den Weibchen.

Krankheiten und Parasiten

Verschiedene Erkrankungen und Parasiten des Welses sind aus Untersuchungen an Wildfängen und vor allem aus Beobachtungen in der Aquakultur bekannt. Besonders die Eier sind gegenüber Bakterien, Pilzen, Parasiten und Verlusten durch Wasserinsekten wie Käfer, Wanzen und Libellenlarven anfällig. Erwachsene Tiere sind Wirte für verschiedene Bakterien, darunter Flavobakterien und Arten der Gattungen Aeromonas und Vibrio. An eukaryotischen Parasiten wurden über 50 verschiedene Arten beschrieben, darunter verschiedene Einzeller wie Sporentierchen (Apicomplexa), aber auch Nematoden, Bandwürmer und Fischläuse. In Welszuchten gehen die stärksten Verluste auf Ichthyophthiriose zurück. Ein artspezifisches Virus, das „European sheatfish virus“ (ESV) aus der Gattung Ranavirus in der Familie der Iridoviridae wurde 1989 beschrieben. Daneben ist die Art auch für Viren aus der Familie der Rhabdoviridae wie den Erreger der Frühlingsvirämie der Karpfen empfänglich. In freier Wildbahn spielen Erkrankungen und Parasitenbefall besonders als Folge von Umweltstress wie Verschmutzung oder Sauerstoffmangel eine Rolle, während in der Aquakultur teilweise ganze Jungfischanzuchten erkranken und sterben können.

Kulturelle Bedeutung und Nutzung

Auf Grund seiner Größe und auffälligen Gestalt ist der Wels ein bekannter Fisch, der besonders in Osteuropa teilweise Eingang in Sagen und Legenden gefunden hat. Sein Fleisch und Fett wurde teilweise zu Heilzwecken eingesetzt.Im vierten Jahrhundert wurde er von dem römischen Dichter Decimus Magnus Ausonius als nostrae mitis balaena Mosellae („unsere zahmer Wal aus der Mosel“) bezeichnet.In den Medien wird heute immer wieder über außergewöhnlich große Fänge berichtet sowie gelegentlich über Angriffe auf Haustiere. Ein bekannter Fall, der ein nationales wie internationales Presseecho fand, war der Wels „Kuno“ im Volksgarten-Weiher bei Mönchengladbach, der 2001 einen jungen Dackel gefressen haben soll.Junge Welse lassen sich außerdem gut in Kaltwasseraquarien halten, wogegen größere Tiere empfindlicher sind und sich nur für große Schauaquarien eignen. Für diese werden albinotische Welse gezielt gezüchtet.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Welses unterscheidet sich in verschiedenen Regionen seines verbreitungsgebiets deutlich. In Ost- und Südosteuropa wird er kommerziell befischt und zunehmend auch in Aquakultur gezogen. Sein Fleisch ist weiß, mild im Geschmack, grätenarm und hat einen Fettgehalt von 6 bis 8%.[16] Es wird frisch, getrocknet, geräuchert oder gesalzen vermarktet. Die Eier werden am Kaspischen Meer teilweise als Kaviar verwendet. Schwimmblase und Knochen können zu Leim oder Gelatine, die Haut zu Leder verarbeitet werden. In Mitteleuropa gilt er dagegen oft als potentieller Schädling, der die wirtschaftlich genutzten Karpfen- und Schleienbestände reduziert. Da er allerdings vorwiegend wirtschaftlich unbedeutendere Fische frisst, kann sein Einfluss auf die Nutzfischbestände auch positiv sein. Gelegentlich wurden Welse zur biologischen Kontrolle von Karpfenfischen eingesetzt, wozu sie sich allerdings auf Grund ihres relativ breiten Beutespektrums schlechter eignen als andere Raubfische. Außerhalb der kommerziellen Fischerei ist der Wels ein beliebter Sportfisch.

Fischerei

Im Donauraum werden Welse mindestens seit dem zweiten Jahrhundert mit verschiedenen Methoden befischt. Hierzu wurden meist Berührungsnetze eingesetzt, die aus einem Grundteil und zwei mit einer Rute verbundenen Flügeln bestehen und bei Kontakt mit dem Fisch aus dem Wasser gehoben werden konnten. Alternativ wurde ein hohler Baumstamm als möglicher Unterschlupf versenkt und regelmäßig aus dem Wasser gehoben und kontrolliert. Daneben waren Unterwasserzäune gebräuchlich, bei denen die Welse in Durchlässe getrieben wurden, wo sie mit einer Reuse oder von einem mit Stecheisen ausgerüsteten Fischer gefangen wurden. Auch der Fang mit Leine und Haken, häufig mit Rindfleisch als Köder, sowie die Hamenfischerei waren gebräuchlich, wobei bei letzterem gezielt die Unterschlupfmöglichkeiten in Ufernähe abgesucht wurden. Der moderne Welsfang findet meist mit Reusen oder Grundangelruten statt. Der weltweite Fang beträgt über 10.000 Tonnen pro Jahr, wobei der größte Teil der Fänge auf die Staaten der GUS entfällt.

Aquakultur

Europäische Welse werden seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts vor allem in Ungarn in Teichkulturen gezüchtet. Seit den späten 1950er Jahren wurde die Kultur auch in anderen Ländern Ost- und später auch Südost- und Mitteleuropas eingeführt. Neben der Haltung in Teichen hat hier die Kultur in Netzen innerhalb größerer Gewässer und in modernen Kreislaufanlagen zunehmende Bedeutung. Welse können in Gefangenschaft halbkünstlich oder künstlich vermehrt werden. Die halbkünstliche Vermehrung geschieht dabei durch gezieltes Umsetzen in Laichgewässer mit geeignet vorbereiteten Nestern. Zur künstlichen Vermehrung werden die Tiere durch das Injizieren von Hypophysenextrakt behandelt, wonach die Geschlechtsprodukte durch Abstreifen gewonnen und künstlich zusammengebracht werden können.

Der Umfang der Aquakultur Europäischer Welse betrug etwa 2000 Tonnen außerhalb Russlands, wovon etwas über die Hälfte auf Bulgarien entfiel. Problematisch sind vor allem die relativ hohen Kosten im Vergleich zu den außerhalb Europas gezüchteten Welsen aus den Familien der Haiwelse (Pangasiidae), Katzenwelse (Ictaluridae) und Kiemensackwelse (Clariidae). Um die Erträge zu steigern wurden Versuche unternommen, eingeschlechtliche Bestände zu erzeugen, wobei Männchen ein schnelleres Wachstum und höhere Schlachtausbeuten aufweisen als die Weibchen. Versuche mit triploiden Tieren führten zu verringertem Wachstum und geringeren Überlebensraten.
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